Subject: kein schöner "Traumurlaub" vom 21. bis 28.05.2006
Zusammenfassung:
1.) habe ich über den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband/Marktplatz Hotel GmbH nach Beantwortung einer umfassenden Umfrage eine Rundreise gewonnen. Hätte mir jemand gesagt, dass es sich um eine Verkaufsfahrt handelt, hätte ich den Gewinn auch ohne Zuzahlung sicher nicht angenommen.
2.) habe ich dafür in Deutschland an Wox-Travel EZ-Zuschlag, Saisonzuschlag, Flughafengebühr
190,00 € bezahlt
3.) musste ich an den Herrn „S.“(Reiseleiter) bzw. Vogue-Reisen 60,00 € Abendessen bezahlen und 25,00 € Flughafengebühr
4.) musste ich an den Herrn „S.“(Reiseleiter) bzw. Vogue-Reisen bzw. Romantik-Reisen 139,00 € für Mittagessen und Eintritte und Reiseführung bezahlen
5.) erfuhr man außer der Startzeit nie vorher, was genau wo am nächsten Tag war und konnte somit auch nicht etwas anderes unternehmen
6.) wurden wir wie eine Schulklasse behandelt, die zuzuhören hat und nicht reden darf, wenn der Herr Lehrer spricht und ich musste mich mit dem Rausschmiss aus dem Bus bedrohen lassen
7.) haben wir bei schönstem Wetter von So – Donnerstag ca. 35 Stunden im Bus und in Fabriken verbracht
8.) hatte ich von 8 Tagen 2 Tage zur freien Verfügung, weil ich auf bezahlte Programmpunkte verzichtete
9.) habe ich für 8 Tage Urlaub eine Vertretung in meinem Studio organisiert und tatsächlich 2 Tage Urlaub gehabt.
_______________________________________________________________________
Ankunft am Flughafen Antalya am 21.05.2006 um 13.20 Ortszeit, Temp. Ca. 30°C. Wir sind 6 oder 7 Leute, werden zum Bus gebracht. Einige setzen sich gleich in den Bus. Der Fahrer bedeutet uns, dass wir noch etwas warten müssen, weil noch weitere Personen mit einem anderen Flugzeug kommen. Die Leute steigen wieder aus. In Sichtweite sind eine Cafeteria und auch die Toiletten. Nach einiger Zeit kommt ein junger Mann, der uns erlaubt, noch zur Toilette zu gehen, wir müssten noch etwa eine halbe Stunde warten. Irgendwann kommen weitere Personen. Nun dauert es wieder. Manche steigen ein, aber wir müssen warten und zwar bis knapp 16.30 Uhr = fast 3 Stunden Wartezeit nach der Abfertigung. In der prallen Sonne stehend, vor oder im heißen, gar nicht wohlriechenden „Luxusbus“ (siehe Foto), der das Schild „Romantik-Reisen“ hinter der Scheibe hat. Lediglich 2 kleine Bänke sind in der Nähe, zur Cafeteria durften wir nicht, wir sollten ja das Wasser vom Fahrer kaufen. Dieser – mit Namen Sadr - belästigt mich bereits wenige Minuten nach der Ankunft, in dem er von hinten an mich herantritt und seinen Arm auf meine Schulter legt, als ich im Polyglott lese. Ich schüttle ihn ab.
Als wir endlich abfahren, stellt sich Herr „S.“ sich vor als unser Reiseführer. Er erklärt uns deutlich den Unterschied zwischen Reiseführer und –leiter und dass wir nun eine Woche lang miteinander leben werden. Er beklagt die Hitze und das wird er während der Fahrt noch viele Male tun, wie er ständig gähnt, seinen Schweiß von der Stirn mit den Fingern abwischt und diese dann wieder an die Nackenpolster der Sitze vor sich, oder seine Reden durch viele Handygespräche unterbricht. Wir fahren bis nach Kemer, bzw. bis zu den Touristenbunkern am Rande von Kemer. Inzwischen wurden wir aufgefordert, 60,00 Euro für das Abendessen zu zahlen – ist ja „superpreisgünstig für eine ganze Woche“. Ich sage, dass ich lieber frei essen möchte, vor allem weil ich Fisch liebe und eben am Meer das ausnutzen will. Herr S. nimmt mich dann zur Seite und empfiehlt mir dringend, das Abendessen mitzubuchen, weil die ganzen Restaurants noch geschlossen seien, es sei ja noch keine Saison. Warum wurde dann bereits in Deutschland der Saisonzuschlag verlangt? Tja, das sei eben mein Reiseveranstalter... Ich frage, wie weit es denn sei zum Zentrum. 4 Kilometer war die Antwort.. Dann sagt S. noch, dass die, welche ein Einzelzimmer hätten, die Quittung vorlegen müssten, dass sie den Zuschlag bezahlt haben. Ich habe aber nur das letzte Schreiben mit den Flugzeiten und den Werbeflyer von WOX-Travel dabei, in welchem steht, dass ich von „Romantik-Reisen“ abgeholt werde. S. meint, er könne das trotzdem hinkriegen, irgendwas werde ich schon haben. Dann hat keiner mehr danach gefragt.
Im Hotel buche ich gleich in der Wellnessabteilung zwei Massagen für den nächsten Tag, 17.00 Uhr. Das Mädchen spricht perfekt deutsch und ist aus München. Das Zimmer im Hotel Maxim Resort ist schön, leider nur im ersten Stock, sodass es riskant ist, die Türe offen zu lassen, weil man leicht über das darunter liegende Restaurantdach einsteigen kann. Das Essen ist sehr gut. Super die Desserts.
Der Start für Montag wird von S. auf 11.15 Uhr festgelegt – Begrüßungsdrink mit einem Herrn „Z“ aus Frankfurt. (Nahezu perfektes Auftreten, gut geschult, anfänglich sehr freundlich, doch das soll sich ändern).
Sie schließt die Tür des Raumes, in dem wir – 26 Personen plus Z. – fast ersticken. Sie lässt uns wissen, dass man – völlig uneigennützig und nur zu unserem Wohle – den Programmablauf umgedreht und inhaltlich „aufgewertet“ hat. Dass man ohne weiteren Aufpreis supertolle Besuchspunkte mit eingebaut hat. Ja und sie wundert sich jedes mal auf’s Neue, wie es das Unternehmen schaffe, für nur 139,00 Euro ein derartiges Superprogramm incl. Essen und alle Eintrittsgelder (die angeblich bis zu 50 Euro kosten, will man sie privat buchen), anbieten zu können. Wie geht das?
(In den 139,00 enthalten sei: Mittagessen, Bazar und Wasserfall in Antalya, Folklore-Abend im Sultanspalast, Khekova mit Bootsfahrt, St. Nikolaus, Pamukkale, Perge und Aspendos, Alanya und Bootsfahrt a.d. Manavgat und natürlich die „hochwertige Reiseführung“ durch Selim, weil wir ja nur die „Rundfahrt“ gewonnen od. bezahlt haben, nicht aber die Führung (Dieses gesamte Programm kann zu günstigerem Preis vor Ort einzeln incl. Fahrt, Eintrittsgelder und Führung gebucht werden, Kosten zw. 13,00 und 25,00 Euro).
Sie sagt, der türkische Staat subventioniere mit viel Geld unseren Urlaub. Unser Reiseveranstalter behalte ja alles, was er von uns abkassiert hat. Das Kulturreferat oder so was ähnliches will, dass die Touristen nicht nur mit All inclusiv in den Hotels rumhängen und nichts außerhalb konsumieren und nichts von Land und Leute kennen lernen. Daher investiert der Staat viel Geld in unsere Reise. (Was wir doch für ein Glück haben!) Und da soll es doch tatsächlich so Untermenschen geben, die sich über läppische 139,00 Euro zusätzlich aufregen. Aber wir sehen ja nicht so aus, als würden wir den Aufstand machen. Noch Fragen? Wenn ja, dann nur unter 4 Augen draußen und sie öffnet die Tür, während ich als einzige den Finger hebe, den sie energisch zurückweist, in dem sie mir ins Wort fällt: sie habe doch gesagt..., ich bestehe darauf, etwas zu fra... , Nein! Und sie wird sehr laut, aber ich setze mich durch und frage, ob man partiell etwas abstreichen könne. Dieses wird verneint. Wir dürfen den inzwischen warmen Drink zu uns nehmen und ich bin von diesem Moment an zum Abschuss frei gegeben.
Draußen jedoch trauen sich nun einige zum „4-Augen-Gespräch“ und ziemlich schnell gibt es Stunk. Z. wird noch lauter und sehr energisch, lässt keinen zu Wort kommen, bügelt jeden nieder. Eine Frau weint, die offensichtlich nur ein paar Euro Taschengeld dabei hat, weil sie auch an einen „Gewinn“ geglaubt hat (sie erzählt später, dass sie eigentlich nicht weiss, wie sie ihre 5 Kinder satt bringen soll). Für sie springt ein Herr aus Berlin ein, der ihr das Geld leiht. Am Wellness-Tresen auf der anderen Seite sagen die Mädchen mir, wir sollen uns nicht so unter Druck setzen lassen, dieses Theater und die Abzocke erleben sie täglich. Ich gehe zurück und sage das einigen Leuten. Doch sie haben bis auf zwei Mädchen alle bezahlt bis ich wiederkomme (habe Geld geholt vom Zimmer). Anfänglich bietet S. an, doch das Mittagessen mit 20,00 Euro für eine Woche abstreichen zu können, doch Z. lässt es nicht zu. Es ist noch eine Frau da, die wohl nur türkisch spricht, aber auch was zu melden hat. Alle spielen super zusammen. Die Gruppe kann S. nix anlasten, er kann ja nichts dafür!!! Im Gegenteil, später sagen einige, dass wir ihm dankbar sein müssen, dass er uns durch persönlichen Einsatz die Rundfahrt gerettet hat. Inzwischen wissen wir wenigstens, dass wir es hier mit Vogue-Tours zu tun haben. Er meint bei der anschließenden Fahrt, dass es eben hauptsächlich an dem komischen Reisebüro von uns liege, dass das mit der weiteren Zahlung nicht klar draufgestanden habe. Aber das könne man sich ja denken, dass man nicht Eintrittsgelder auch noch geschenkt bekomme.
Dann fahren wir gegen 13.00 Uhr los Richtung Antalya. 15 Minuten lang Wasserfall. Dann 40 Minuten Essen. Dann 1 ½ Stunden Bazar. Auf der Fahrt zurück erzählt er was über sich und wir erfahren, dass er schon seine zweite Wohnung gekauft hat und gerade sehr viel zu tun hat, weil er umzieht. Ja hier sei es normal, dass man eine Wohnung mit mindestens 120 qm hat, nicht so klein wie bei uns. Eigentlich wollte er gar keine Gruppe mehr, aber weil wir so positiv sind, führt er uns. Außerdem hat er eine neue eigene Bar in der Nähe unseres Hotels und des Sultanpalastes, ob wir die denn sehen wollen? Ja gerne, z.B. morgen Abend vor dem Folklore-Abend könnte man doch frisches Obst als Vorspeise servieren. Was – frisches Obst? Und S. nimmt das Handy und telefoniert und eine halbe Stunde später steigen wir vor seiner Bar aus und es ist eine große schöne Anlage und auf allen Tischen steht Obst und jeder holt sich was zum trinken, z.B. Raki für 2,50 € (der war so greislig, dass ich keinen mehr getrunken habe die ganze Woche). So wird es 19.15 Uhr bis wir ins Hotel kommen. Trotzdem kriege ich wenigstens eine Vichy-Massage für 40,00 Euro. Zuvor legt S. wieder „demokratisch“ fest, dass wir erst um 9.45 Uhr am nächsten Tag starten, versunkene Stadt, Bootsfahrt, Kirche St. Nikolaus etc.
Dienstag: S. ist müde, gähnt ausführlich in unsere Richtung, bevor er redet, beklagt sich über die Wärme, wir kennen es ja bereits.
Nur aus dem fahrenden Bus dürfen wir die herrliche Landschaft von oben „genießen“ und fotografieren. Immerhin fährt der Bus an der schönsten Stelle langsamer. Die Bootsfahrt ist natürlich schön. S. erzählt uns von der versunkenen Stadt – Geschichtswissen vom Umfang eines Taschenreiseführers – aber immerhin. S. behauptet, freier staatlich geprüfter Reiseführer zu sein, nachdem er zuvor Geschichte studiert habe und Geschichts-Lehrer gewesen sei. Er sei ein begehrter Reiseführer für kleine private Gruppen, er führe gerne religiöse Gruppen wie Pfarrer und diskutiere hochinteressant mit diesen. Über den Islam überhaupt, in der Türkei und in Deutschland spreche er später. Er gehöre nicht zu Vogue.
Auf dem Boot kommt man so zum reden mit anderen. Da gibt es doch einige, die Erfahrung mit Einkaufsfahrten haben. Aber diese Menschen haben alle viel Zeit übrig, ich nicht.
Vor St. Nikolaus gehen wir zum Mittagessen. Absolut krätzige Angelegenheit! Ich kann auch nix essen und lasse sogar die Zucchini auf dem Teller, die ich mir geholt habe, mich ekelt es an. Dort versuchen sie, uns zu betrügen, wo es geht. Das Wasser kostet mal 2 Euro, mal 1 Euro, Retourgeld gibt es nur auf Anforderung oder und mit Penetranz.
St. Nikolaus: S. erzählt wieder, er spricht ja ganz gut deutsch, aber doch zu wenig, als dass er nicht heftige Wortverwechslungen bringt wie z.B. Patriot = Patriarch. Wehe mir und meiner spontanen Korrektur! Und ich höre, dass das doch das Gleiche sei... wenn er meint ...
Weil die Lüftung bereits so laut ist im mittleren Busbereich und S. oft recht nahe am Mikrofon ist und dann eben auch sehr laut durch den kaputten Lautsprecher plärrt, verziehe ich mich nach hinten. Allerdings stinkt es da ziemlich. Ich bleibe in der Mitte stehen. Ich bin an geschichtlichen Informationen wirklich interessiert, hatte jedoch zum ersten Mal keine Zeit, mich vorab über die Türkei richtig zu informieren. Er fragt mich irgendwann, warum ich so weit hinten sei und stehe und ich sage ihm, dass es mir weiter vorne zu laut sei. Und er redet über sich und über den Islam. Nein eigentlich will er über den Islam und auch über die Türken in Deutschland erst die nächsten Tage reden, aber soviel schon mal vorab, und er beginnt, die Leute aufzuhetzen, vorsichtig, aber immer intensiver und er tut es die nächsten Tage immer wieder, auszugsweise und inhaltlich so:
Mal ganz ehrlich, so unter uns: wir wollen die auch nicht. Wer hier arbeiten will braucht nicht ins Ausland. Die Türkei ist ein moderner Staat mit sehr guten sozialen Strukturen, nicht dieses komische Sozialnetz für die Schmarotzer. In der Türkei steht die Familie, und zwar nicht nur Eltern und Geschwister, nein es sind über hundert, oft mehrere hundert, die zusammenlegen, wenn es einer nötig hat. Das ist wirklich sozial. Da müsste Deutschland von den Türken lernen, Ihr könntet überhaupt noch viel von den Türken lernen, Ihr mit Eurer Arbeitslosigkeit.....
Nur die erste Generation der Türken in D., das waren noch gute Leute. Meine Eltern waren ja in Berlin und ich bin dort aufgewachsen. Was glauben Sie, was ich mitgemacht habe, als ich hierher zurück kam? Mich wollten die auch nicht. Aber ich habe mich durchgesetzt. Aber von mir erzähle ich ein anderes Mal. Aber was da gerade in Deutschland passiert, na ja, das ist eure Demokratie, ihr schützt ja Verbrecher. Die Türkei wollte die Auslieferung vom Kalif von Köln. Die Deutschen haben ihn geschützt. Nirgendwo im Koran steht das mit den Kopftüchern. Bei uns dürfen die keine Kopftücher tragen im öffentlichen Bereich und Sie werden auch ganz selten nur eine Frau mit Kopftuch sehen. Die mit Kopftuch, die könnt Ihr alle mit nach Deutschland nehmen, in Eure Demokratie... Deutschland müsste einiges von den Türken lernen. Schaut Euch mal in den christlichen Kirchen um, was da abgeht, da stehen ganz andere Sachen in der Bibel als in unserem Koran. Ich bin ja kein Türke, ich bin ja eigentlich Araber oder arabischer Türke, da ist das ganz anders als bei den Türken. Und so geht das ohne Punkt und Komma, mindestens eine halbe Stunde nur solchen subtilen Schwachsinn, und die Leute lassen sich einlullen. Er antwortet auf Fragen, die wir hinten nicht hören können über’s Mikrofon und manche staunen zufrieden, dass er ja doch auch bestätigt, was man sich selbst nicht so recht zu denken traut. Ich habe mich in die vorletzte Reihe verzogen, aber es riecht nicht so gut hier und ich bin froh, als er aufhört und wieder telefoniert oder schläft.
Kurz vor dem Hotel dann wieder: ... morgen, das wird ein schlimmer Tag. Nicht so schlimm wie der Donnerstag. Aber wir werden ganz lange fahren. Und in Pamukkale wird es heiß sein, furchtbar heiß. Und dann könnt ihr noch bei 45° in die Thermen. Wenn es draußen ohnehin schon heiß ist. Dieses Programm ist nicht schlecht, aber man könnte da schon einiges verbessern. Ja, aber ich will ja nichts gegen die Reiseveranstalter sagen... Ich versuche, für Euch das Beste draus zu machen. Am Donnerstag ist der schlimmste Tag. Ach ich hasse diesen Tag. Er wird ganz schlimm. Den ganzen Tag im Bus. – Gähnen – Aber denken wir nicht heute schon an den Donnerstag.
Wir waren ja heute auch schon fast 6 Stunden im Bus. Und dann fragt er wie am Montag, wann wir denn starten sollen, und einige sagen um 6.30 Uhr, 7.00 oder 8.00 und er sagt, seht Ihr, mit der Demokratie kommt man nicht weiter: wir fahren um 8.45 Uhr.
Am Abend ist der Folklore-Abend, an dem ich nicht teilnehme, obwohl ich bezahlt habe. Ich gehe mit den beiden Studentinnen nach Kemer, 20 Minuten zu Fuß , alle Restaurants haben geöffnet.
Mittwoch: Am nächsten Morgen laden wir alle das Gepäck ein, er kommt an mit verquollenen Augen und setzt sich nach kurzer gähnender Begrüßung hin zum Schlafen. Die anderen erzähle, dass der Abend komplett in russisch abgehalten worden sei. Kurz vor Antalya erklärt er uns, er brauche jetzt alle unsere Pässe, weil das Hotel Richmond in Pamukkale so überfüllt sei mit Menschen, damit es schneller gehe bei der Ankunft und weil man dort Angst habe vor Terroristen. Er müsse vorab die Daten faxen und das dürfe er netterweise aus der Schmuckfabrik, die wir jetzt gleich besuchen. Wer hat seinen Pass nicht bei sich, sondern im Koffer? Dann halten wir gleich mal an und Sie nehmen Ihren Pass aus dem Koffer. Erstens glaube ich den Schmarrn mit dem vorab Faxen nicht und dann frage ich, warum er uns das nicht bereits gestern gesagt habe. Meine Frage wird überhört, wie alles was ich sage oder frage. Zu dritt oder viert steigen wir mitten in der Botanik an der Landstraße aus, keiner der Männer sagt was, ich bin die einzige, die sich fürchterlich aufregt, die Klappen werden aufgemacht, wir müssen über die Leitplanke steigen und im Staub und Dreck den Koffer öffnen, um an den Pass zu kommen. S. ist mir schrecklich nett „behilflich“.
Nach 1 km sind wir an der Schmuckfabrik und müssen alle rein, „weil der Bus, wo anders parkt“. Nach einem Vortrag in dem großen Ausstellungsraum stürzen sich wie auf Kommando ca. 15 Verkäufer auf uns, kreisen uns ein und schnappen sich möglichst die Männer, damit sie den Frauen etwas kaufen. Ich schieße mit gleichem Tempo in die Gegenrichtung aus dem Pulk raus und denke, ich sei im Irrenhaus. So was habe ich noch nie erlebt. Ab sofort klebt auch an meinen Fersen ein Verkäufer. Ich sage ihm, dass ich keinen Schmuck kaufe, er verzieht sich in den Innenbereich des jeweiligen Ausstellungstresens, um den ich gerade rumlaufe, um einfach die Schmuckstücke zu betrachten. Irgendwann schafft er es, mir einen Tee anzubieten und ich soll mich einfach setzen. Im Separée. Nachdem er mir einige Tabletts mit Ringen vor die Nase gestellt hat, sage ich ihm auf’s Neue, dass ich keinen Ring kaufe und bisher auch keinen gesehen hätte, der mich begeistert. Er geht erneut und bringt nochmals zwei Lagen. Bei der zweiten liegen Rubine und ich zeige ihm den einen links unten, der mir ja doch zumindest gut gefällt. Er bestätigt meinen guten Geschmack, sagt mir dann dass er der teuerste auf dem Teller sei, Preis 2.770,00 Euro. Ich will ihn ja nicht kaufen. Aber wenn er mir doch einen guten Preis mache ... Nein. Er wird den Chef holen... Nein. Er geht auf 1.900,00 runter... Nein. Er holt den Chef. Der, so um die Vierzig, schaut mich an, lächelt, sagt: wissen Sie was, nehmen Sie diesen Ring mit und bezahlen sie ihn, wann Sie wollen... So viel Vertrauen habe ich zu Ihnen... Ich schaue ihn an, auch lächelnd und sage, „ja ich glaube das auch, Sie haben ja meine Passkopie“ und er sieht mich an und fragt nicht mal mehr, was ich damit meine, sondern wundert sich offensichtlich, dass nicht alle Deutschen gleich doof sind. Er geht mit dem Preis bis auf 1.300 Euro runter und bietet mir an, 50,00 Euro anzuzahlen und den Rest im September und das scheint die Schmerzgrenze zu sein. Als ich auch das nicht annehme, ist Ende. Aber sie sind wenigstens beide trotzdem höflich.
Auf dem weiteren Weg nach Pamukkale schläft S. netterweise ziemlich viel. Wir fahren durch die Landschaft, fast unkommentiert. Lediglich am Anfang zeigt er uns die Stadt mit dem höchsten Tomaten-Export. Wir sehen die Schilder von den Teppichfabriken. Aber wir gehen in keine rein. Dann greift er das Thema Türken in Deutschland auf, wie schlecht die doch seien, und das mit den Kopftüchern und dass man froh sei, dass die bei uns seien, und die brauchen auch nicht zurückkommen und er wird immer lauter, als er mit den vorderen vier Leuten im Bus übers Mikrofon diskutiert. Nur ganz wenige Ausnahmen seien solche kultivierten Menschen wie in der Türkei. Und irgendwann gehe ich nach vorne, weil mir nach einem Hörsturz wirklich die Ohren trotz meiner selbstgedrehten Ohrstöpsel weh tun und ich bitte ihn, wenigstens beim Diskutieren das Mikrofon weg zu nehmen, weil wir weiter hinten ja die Fragen ohnehin nicht verstehen können.
Dann fragt er über das Mikrofon, ob alle der Meinung seien, dass er nichts mehr über Land und Leute erzählen soll und es gebe halt immer einen in jeder Gruppe, der glaube, dass sich alle nach ihm zu richten hätten. Wer denn wolle, dass er weiter erzähle. Und da taten bis auf 4 oder fünf Leute alle ihre Hände hoch und klatschten. Und dann hat er zu mir gesagt, mit drohendem Finger: „Wenn Sie mich noch einmal unterbrechen, dann lasse ich Sie aussteigen!“ Und keiner hat mir geholfen. Und der Älteste, Herr Peschke, der alles auf Videofilm aufgezeichnet hat, ging nach vorne ans Mikrofon und erklärte sich zum Sprecher derer, die sich für Geschichte und Kultur interessierten. Er dankte für die umfassende Aufklärung und ich war entsetzt ob dieser Mehrheiten.
Dann erklärte S., dass das Hotel in P. ein drittklassiges sei. Auch nicht sauber und wir sollen ja aufpassen, falls wir da was zum Trinken einschleusen wollen, da werden sie sauer. Na ja, ein Wasser wäre ja nicht so schlimm, unter uns gesagt, aber halt nicht zeigen. Aber ja nichts anderes. Wehe, man erwischt uns dabei. Das Hotel sei lange nicht so schön wie das der vorangegangenen Tage und auch schlechter als das kommende in Alanya. Es werde geklaut und man müsse fürchterlich aufpassen. Bunt gemischt aus der ganzen Welt treiben sich da Leute rum und die Birnen schrauben die raus und die Handgriffe ab, brechen die Zimmer auf. Und gleich wenn wir reinkommen müssen wir alles überprüfen und wenn etwas fehlt, müssten wir das gleich melden. Und am Morgen wird er persönlich die Zimmer kontrollieren, ob auch nichts fehlt und die Liste dann an der Rezeption abgeben.
Und dann legt er wieder wie die Tage vorher den Abfahrtstermin fest mit seinem Hau auf die Demokratie, nämlich entgegen aller Vorschläge auf erst 9.00 Uhr. Zuvor erzählt er, dass wir ja Glück haben mit dem Ausschlafen, dass er im Winter immer viel früher mit den Leuten losfährt, für mich fraglich und völlig unlogisch, da ist es ja nicht heiß und wir wollten ja ohnehin so früh wie möglich.
Das Hotel Richmond ist überhaupt nicht schlecht, lediglich der Teppichboden ist sehr abgenutzt und nicht appetitlich. Das Essen ist wieder sehr gut und reichlich im Angebot. Ich gehe am Morgen an die Rezeption und bitte um meine Passkopie. Er kann keine finden. Es wundert mich nicht.
Donnerstag: Auf der Rückfahrt redet er sich so richtig warm. Er erzählt uns erneut, dass wir ja unseren Urlaub vom Staat mitfinanziert bekommen haben, und man von uns schon erwartet, dass wir Devisen hier lassen. Und dann erklärt er uns, dass wir erst mal in eine Teppichfabrik fahren und dass man uns die besondere Kunst des türkischen Teppichknotens zeige. Er hat uns ja vorher schon sehr genau und im Vertrauen erzählt, wo man was einkaufen kann, wie viel man runterhandeln kann usw. Und er sagt auch, dass der Staat als Gegenleistung für seine Investition jedes Reiseunternehmend zwingend veranlasst, die Teppichfabrik zu besuchen. Und es müssen alle rein. Und auch wir gehen rein. Auch hier nach einem Vortrag und der Besichtigung wieder das gleiche: Überfallartig stürzen sich die Verkäufer auf uns. Eine sympathische Frau wendet sich an uns und zeigt uns dann das Haus, und obwohl wir nichts kaufen werden wir von ihr nicht belästigt. Sie kommt aus Frankfurt, teilt die Meinung von S. über deutsche Türken in keiner Weise.
Und wir werden 3 Stunden dort verbringen, nur wissen wir es noch nicht. Irgendwann treffen wir in den Gängen auf unseren Reiseführer, der dort rauchend auf einem Stapel Teppichen sitzt. Als bei der Weiterfahrt sich andere darüber beschweren, dass wir so viel Zeit vertrödelt haben, sagt er, wenn jemand etwas kaufen will, dann wird so lange gewartet, bis der Kauf abgeschlossen ist. Die Frau ohne Geld konnte zum Kauf eines Teppichs bewegt werden. Das Geld wurde ihr wieder von dem Berliner ausgelegt.
Danach besuchen wir noch die Lederfabrik in Antalya und als danach angehalten wird, um am Bankomat neues Geld zu fassen, wird Ingrid, die 400,00 € haben möchte, von S. gefragt „haben Sie überhaupt so viel auf dem Konto?“ Auch dieses Ehepaar hatte sich inzwischen beschwert und ist in „Ungnade“ gefallen. Zuvor hatten sie eine Lederjacke gekauft und da ging die Karte nicht und sie mussten das Bargeld ausgeben.
Auf der weiteren Fahrt lässt er sich wieder aus über „unseren“ Reiseveranstalter. Immer mehr Leute waren unglücklich, dass wir so viel im Bus waren und dass dies zu einer derartigen Verkaufsfahrt geworden ist. „Wenn man schon mit Romantik-Reisen fährt, was will man da erwarten?“ Dabei hatte keiner direkt etwas mit „Romantik-Reisen zu tun. „Mit was für Veranstaltern fahrt Ihr denn?“ Und der Dümmste musste merken, wie er uns herabsetzen wollte. Er hat sich dann die Flyer geben lassen und hat daraus zitiert, um zu beweisen, dass es ja bereits dringestanden habe und wir nur zu blöd waren zum lesen: Und dann sagte er, ja wäre er nicht gewesen, dann hätten wir eh nicht diese tollen Hotels gehabt, sondern nur 4 Sterne-Hotels, wie es auf einem Flyer zu lesen war (allerdings waren da die Hotels per Foto drauf), aber er habe das tel. vom Flughafen geregelt!
Es war geplant, dass wir noch eine antike Brücke besichtigen, das muss jedoch entfallen, weil wir bereits so spät dran sind, dass wir evtl. kein Abendessen mehr bekommen können. Also wieder ein Tag im Süden ohne Zeit zum Baden und Sonnen oder für persönliche Interessen. S. fragt uns, wer an dem Programmpunkt am Samstag teilnehmen möchte, man müsse nach Aspendos allerdings fast bis nach Antalya fahren. Da waren nur noch 3 oder 4 , die das wollten. Wir waren nun tagelang im Schnitt 5 – 7 Stunden im Bus und jeder wollte auch mal etwas von Sonne und Meer haben.
Das Hotel Doganay ist überwiegend mit Russen besetzt. Wie im ersten Hotel. Es ist schrecklich laut, und sie sind schon morgens recht durstig. Mein Zimmer ist wieder im ersten Stock, und wieder leicht über den Balkon zu erreichen. Die beiden Studentinnen, von denen besonders eine von S. massiv angemacht wird, erhalten ein Zimmer im 6 Stock bei den „Multis“. Zufällig neben dem Zimmer von S.. Ich habe noch geduscht und komme erst um 20.00 Uhr. Essen gibt es nur bis 21.00 Uhr. Also bleibe ich ohne Nachspeise, weil die bereits abgetragen wurde.
Freitag: Alanya und Bootsfahrt auf dem Manvgat-Fluss sind angesagt und, wie S. sagt, der schönste Tag der Woche. Ich will nicht mehr im Bus sitzen, will nicht mehr mit diesen blindgläubigen Ja-Sagern einen Tag verbringen. Ich sage ab und fahre mit den beiden Studentinnen unabhängig nach Alanya. Zufällig hält der Hotelbus direkt vor dem zum Hotel gehörigen Lederladen. Trotzdem: der erste Tag ohne Hetzjagd und mit einem gemütlichen Bad im Meer.
Samstag: S. hat am Freitag ausrichten lassen, dass er nicht mehr da bleibe und Kathrin, ein Mädchen aus der Gruppe, uns am Samstag die Abflugstermine bzw. Busabfahrten mitteile. Also noch ein privater Tag. Ich fahre morgens nach Demirtas in ein Hundeasyl mit deutscher Leitung. Zurück kann ich mit einem Ehepaar fahren, das sich gut auskennt in der Gegend und mir erzählt, dass dem Besitzer des Doganay-Hotels halb Alanya gehört und er quasi als Pate gehandelt wird. Kurz darauf wird dies ohne mein Dazutun von einem Einheimischen am Strand bestätigt. Er fragt uns, seit wann wir hier seien. „Wir waren eine Woche unter staatlicher Führung“. „Aha, Rundreise und wo wohnt ihr?“ „Beim Mafiaboss“. „So, im Doganay?“ ... usw.
Sonntag: Vormittag nochmals zum Strand, 30 Minuten vor Busabfahrt fertig und mit Gepäck im Aufzug. Ich drücke Lobby, Aufzug fährt los, hält, Tür auf – ich sehe nur Betonwand, drücke erneut „L“, Aufzug fährt, hält an, Tür auf – Betonwand. Ich drücke „3“, Aufzug fährt, hält an, Tür öffnet, wieder Wand, so langsam wird mir schlecht vor Panik, zwinge mich, ruhig zu bleiben. Ich drücke „1“, Aufzug fährt, hält an, Türe bleibt zu, er fährt weiter und hält wieder und dann öffnet sich die Tür und ich bin wieder im Freien, aber im 1. Stock. Ich bin kurz vor dem Wahn und gehe mit schwerem Gepäck über die Treppen zur Rezeption, erzähle das vom Aufzug, sie bietet mir einen Tee an.
Dann habe ich noch 5,50 € zu zahlen, die ich aber nicht klein habe. Sie ist stinksauer, meine Karte gehe nicht und den Hunderter könne sie nicht wechseln. Mehrmals hatte ich die beiden Tage zuvor vergebens versucht, ihn zu wechseln. Dann endlich kommt sie, knallt mir 94,00 Euro auf den Tresen und bedeutet mir mit eindeutiger Handbewegung, zu verschwinden.
Es war mein erster Türkeiurlaub und alles in allem keine Veranlassung zu einem weiteren.
Briefe als PDF
http://tuerkei.solic.de/gaesteberichte/maria1.pdf
http://tuerkei.solic.de/gaesteberichte/maria2.pdf
http://tuerkei.solic.de/gaesteberichte/maria3.pdf
Bemerkung: aus Angst vor Repressalien wollten weitere Teilnehmer der Rundfahrt, die auf unterschiedlichste Art zu dieser Reise kamen, nicht genannt werden. Trotzdem könnten u.U. einige zu weiteren Ausführungen bereit sein
1.) habe ich über den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband/Marktplatz Hotel GmbH nach Beantwortung einer umfassenden Umfrage eine Rundreise gewonnen. Hätte mir jemand gesagt, dass es sich um eine Verkaufsfahrt handelt, hätte ich den Gewinn auch ohne Zuzahlung sicher nicht angenommen.
2.) habe ich dafür in Deutschland an Wox-Travel EZ-Zuschlag, Saisonzuschlag, Flughafengebühr
190,00 € bezahlt
3.) musste ich an den Herrn „S.“(Reiseleiter) bzw. Vogue-Reisen 60,00 € Abendessen bezahlen und 25,00 € Flughafengebühr
4.) musste ich an den Herrn „S.“(Reiseleiter) bzw. Vogue-Reisen bzw. Romantik-Reisen 139,00 € für Mittagessen und Eintritte und Reiseführung bezahlen
5.) erfuhr man außer der Startzeit nie vorher, was genau wo am nächsten Tag war und konnte somit auch nicht etwas anderes unternehmen
6.) wurden wir wie eine Schulklasse behandelt, die zuzuhören hat und nicht reden darf, wenn der Herr Lehrer spricht und ich musste mich mit dem Rausschmiss aus dem Bus bedrohen lassen
7.) haben wir bei schönstem Wetter von So – Donnerstag ca. 35 Stunden im Bus und in Fabriken verbracht
8.) hatte ich von 8 Tagen 2 Tage zur freien Verfügung, weil ich auf bezahlte Programmpunkte verzichtete
9.) habe ich für 8 Tage Urlaub eine Vertretung in meinem Studio organisiert und tatsächlich 2 Tage Urlaub gehabt.
_______________________________________________________________________
Ankunft am Flughafen Antalya am 21.05.2006 um 13.20 Ortszeit, Temp. Ca. 30°C. Wir sind 6 oder 7 Leute, werden zum Bus gebracht. Einige setzen sich gleich in den Bus. Der Fahrer bedeutet uns, dass wir noch etwas warten müssen, weil noch weitere Personen mit einem anderen Flugzeug kommen. Die Leute steigen wieder aus. In Sichtweite sind eine Cafeteria und auch die Toiletten. Nach einiger Zeit kommt ein junger Mann, der uns erlaubt, noch zur Toilette zu gehen, wir müssten noch etwa eine halbe Stunde warten. Irgendwann kommen weitere Personen. Nun dauert es wieder. Manche steigen ein, aber wir müssen warten und zwar bis knapp 16.30 Uhr = fast 3 Stunden Wartezeit nach der Abfertigung. In der prallen Sonne stehend, vor oder im heißen, gar nicht wohlriechenden „Luxusbus“ (siehe Foto), der das Schild „Romantik-Reisen“ hinter der Scheibe hat. Lediglich 2 kleine Bänke sind in der Nähe, zur Cafeteria durften wir nicht, wir sollten ja das Wasser vom Fahrer kaufen. Dieser – mit Namen Sadr - belästigt mich bereits wenige Minuten nach der Ankunft, in dem er von hinten an mich herantritt und seinen Arm auf meine Schulter legt, als ich im Polyglott lese. Ich schüttle ihn ab.
Als wir endlich abfahren, stellt sich Herr „S.“ sich vor als unser Reiseführer. Er erklärt uns deutlich den Unterschied zwischen Reiseführer und –leiter und dass wir nun eine Woche lang miteinander leben werden. Er beklagt die Hitze und das wird er während der Fahrt noch viele Male tun, wie er ständig gähnt, seinen Schweiß von der Stirn mit den Fingern abwischt und diese dann wieder an die Nackenpolster der Sitze vor sich, oder seine Reden durch viele Handygespräche unterbricht. Wir fahren bis nach Kemer, bzw. bis zu den Touristenbunkern am Rande von Kemer. Inzwischen wurden wir aufgefordert, 60,00 Euro für das Abendessen zu zahlen – ist ja „superpreisgünstig für eine ganze Woche“. Ich sage, dass ich lieber frei essen möchte, vor allem weil ich Fisch liebe und eben am Meer das ausnutzen will. Herr S. nimmt mich dann zur Seite und empfiehlt mir dringend, das Abendessen mitzubuchen, weil die ganzen Restaurants noch geschlossen seien, es sei ja noch keine Saison. Warum wurde dann bereits in Deutschland der Saisonzuschlag verlangt? Tja, das sei eben mein Reiseveranstalter... Ich frage, wie weit es denn sei zum Zentrum. 4 Kilometer war die Antwort.. Dann sagt S. noch, dass die, welche ein Einzelzimmer hätten, die Quittung vorlegen müssten, dass sie den Zuschlag bezahlt haben. Ich habe aber nur das letzte Schreiben mit den Flugzeiten und den Werbeflyer von WOX-Travel dabei, in welchem steht, dass ich von „Romantik-Reisen“ abgeholt werde. S. meint, er könne das trotzdem hinkriegen, irgendwas werde ich schon haben. Dann hat keiner mehr danach gefragt.
Im Hotel buche ich gleich in der Wellnessabteilung zwei Massagen für den nächsten Tag, 17.00 Uhr. Das Mädchen spricht perfekt deutsch und ist aus München. Das Zimmer im Hotel Maxim Resort ist schön, leider nur im ersten Stock, sodass es riskant ist, die Türe offen zu lassen, weil man leicht über das darunter liegende Restaurantdach einsteigen kann. Das Essen ist sehr gut. Super die Desserts.
Der Start für Montag wird von S. auf 11.15 Uhr festgelegt – Begrüßungsdrink mit einem Herrn „Z“ aus Frankfurt. (Nahezu perfektes Auftreten, gut geschult, anfänglich sehr freundlich, doch das soll sich ändern).
Sie schließt die Tür des Raumes, in dem wir – 26 Personen plus Z. – fast ersticken. Sie lässt uns wissen, dass man – völlig uneigennützig und nur zu unserem Wohle – den Programmablauf umgedreht und inhaltlich „aufgewertet“ hat. Dass man ohne weiteren Aufpreis supertolle Besuchspunkte mit eingebaut hat. Ja und sie wundert sich jedes mal auf’s Neue, wie es das Unternehmen schaffe, für nur 139,00 Euro ein derartiges Superprogramm incl. Essen und alle Eintrittsgelder (die angeblich bis zu 50 Euro kosten, will man sie privat buchen), anbieten zu können. Wie geht das?
(In den 139,00 enthalten sei: Mittagessen, Bazar und Wasserfall in Antalya, Folklore-Abend im Sultanspalast, Khekova mit Bootsfahrt, St. Nikolaus, Pamukkale, Perge und Aspendos, Alanya und Bootsfahrt a.d. Manavgat und natürlich die „hochwertige Reiseführung“ durch Selim, weil wir ja nur die „Rundfahrt“ gewonnen od. bezahlt haben, nicht aber die Führung (Dieses gesamte Programm kann zu günstigerem Preis vor Ort einzeln incl. Fahrt, Eintrittsgelder und Führung gebucht werden, Kosten zw. 13,00 und 25,00 Euro).
Sie sagt, der türkische Staat subventioniere mit viel Geld unseren Urlaub. Unser Reiseveranstalter behalte ja alles, was er von uns abkassiert hat. Das Kulturreferat oder so was ähnliches will, dass die Touristen nicht nur mit All inclusiv in den Hotels rumhängen und nichts außerhalb konsumieren und nichts von Land und Leute kennen lernen. Daher investiert der Staat viel Geld in unsere Reise. (Was wir doch für ein Glück haben!) Und da soll es doch tatsächlich so Untermenschen geben, die sich über läppische 139,00 Euro zusätzlich aufregen. Aber wir sehen ja nicht so aus, als würden wir den Aufstand machen. Noch Fragen? Wenn ja, dann nur unter 4 Augen draußen und sie öffnet die Tür, während ich als einzige den Finger hebe, den sie energisch zurückweist, in dem sie mir ins Wort fällt: sie habe doch gesagt..., ich bestehe darauf, etwas zu fra... , Nein! Und sie wird sehr laut, aber ich setze mich durch und frage, ob man partiell etwas abstreichen könne. Dieses wird verneint. Wir dürfen den inzwischen warmen Drink zu uns nehmen und ich bin von diesem Moment an zum Abschuss frei gegeben.
Draußen jedoch trauen sich nun einige zum „4-Augen-Gespräch“ und ziemlich schnell gibt es Stunk. Z. wird noch lauter und sehr energisch, lässt keinen zu Wort kommen, bügelt jeden nieder. Eine Frau weint, die offensichtlich nur ein paar Euro Taschengeld dabei hat, weil sie auch an einen „Gewinn“ geglaubt hat (sie erzählt später, dass sie eigentlich nicht weiss, wie sie ihre 5 Kinder satt bringen soll). Für sie springt ein Herr aus Berlin ein, der ihr das Geld leiht. Am Wellness-Tresen auf der anderen Seite sagen die Mädchen mir, wir sollen uns nicht so unter Druck setzen lassen, dieses Theater und die Abzocke erleben sie täglich. Ich gehe zurück und sage das einigen Leuten. Doch sie haben bis auf zwei Mädchen alle bezahlt bis ich wiederkomme (habe Geld geholt vom Zimmer). Anfänglich bietet S. an, doch das Mittagessen mit 20,00 Euro für eine Woche abstreichen zu können, doch Z. lässt es nicht zu. Es ist noch eine Frau da, die wohl nur türkisch spricht, aber auch was zu melden hat. Alle spielen super zusammen. Die Gruppe kann S. nix anlasten, er kann ja nichts dafür!!! Im Gegenteil, später sagen einige, dass wir ihm dankbar sein müssen, dass er uns durch persönlichen Einsatz die Rundfahrt gerettet hat. Inzwischen wissen wir wenigstens, dass wir es hier mit Vogue-Tours zu tun haben. Er meint bei der anschließenden Fahrt, dass es eben hauptsächlich an dem komischen Reisebüro von uns liege, dass das mit der weiteren Zahlung nicht klar draufgestanden habe. Aber das könne man sich ja denken, dass man nicht Eintrittsgelder auch noch geschenkt bekomme.
Dann fahren wir gegen 13.00 Uhr los Richtung Antalya. 15 Minuten lang Wasserfall. Dann 40 Minuten Essen. Dann 1 ½ Stunden Bazar. Auf der Fahrt zurück erzählt er was über sich und wir erfahren, dass er schon seine zweite Wohnung gekauft hat und gerade sehr viel zu tun hat, weil er umzieht. Ja hier sei es normal, dass man eine Wohnung mit mindestens 120 qm hat, nicht so klein wie bei uns. Eigentlich wollte er gar keine Gruppe mehr, aber weil wir so positiv sind, führt er uns. Außerdem hat er eine neue eigene Bar in der Nähe unseres Hotels und des Sultanpalastes, ob wir die denn sehen wollen? Ja gerne, z.B. morgen Abend vor dem Folklore-Abend könnte man doch frisches Obst als Vorspeise servieren. Was – frisches Obst? Und S. nimmt das Handy und telefoniert und eine halbe Stunde später steigen wir vor seiner Bar aus und es ist eine große schöne Anlage und auf allen Tischen steht Obst und jeder holt sich was zum trinken, z.B. Raki für 2,50 € (der war so greislig, dass ich keinen mehr getrunken habe die ganze Woche). So wird es 19.15 Uhr bis wir ins Hotel kommen. Trotzdem kriege ich wenigstens eine Vichy-Massage für 40,00 Euro. Zuvor legt S. wieder „demokratisch“ fest, dass wir erst um 9.45 Uhr am nächsten Tag starten, versunkene Stadt, Bootsfahrt, Kirche St. Nikolaus etc.
Dienstag: S. ist müde, gähnt ausführlich in unsere Richtung, bevor er redet, beklagt sich über die Wärme, wir kennen es ja bereits.
Nur aus dem fahrenden Bus dürfen wir die herrliche Landschaft von oben „genießen“ und fotografieren. Immerhin fährt der Bus an der schönsten Stelle langsamer. Die Bootsfahrt ist natürlich schön. S. erzählt uns von der versunkenen Stadt – Geschichtswissen vom Umfang eines Taschenreiseführers – aber immerhin. S. behauptet, freier staatlich geprüfter Reiseführer zu sein, nachdem er zuvor Geschichte studiert habe und Geschichts-Lehrer gewesen sei. Er sei ein begehrter Reiseführer für kleine private Gruppen, er führe gerne religiöse Gruppen wie Pfarrer und diskutiere hochinteressant mit diesen. Über den Islam überhaupt, in der Türkei und in Deutschland spreche er später. Er gehöre nicht zu Vogue.
Auf dem Boot kommt man so zum reden mit anderen. Da gibt es doch einige, die Erfahrung mit Einkaufsfahrten haben. Aber diese Menschen haben alle viel Zeit übrig, ich nicht.
Vor St. Nikolaus gehen wir zum Mittagessen. Absolut krätzige Angelegenheit! Ich kann auch nix essen und lasse sogar die Zucchini auf dem Teller, die ich mir geholt habe, mich ekelt es an. Dort versuchen sie, uns zu betrügen, wo es geht. Das Wasser kostet mal 2 Euro, mal 1 Euro, Retourgeld gibt es nur auf Anforderung oder und mit Penetranz.
St. Nikolaus: S. erzählt wieder, er spricht ja ganz gut deutsch, aber doch zu wenig, als dass er nicht heftige Wortverwechslungen bringt wie z.B. Patriot = Patriarch. Wehe mir und meiner spontanen Korrektur! Und ich höre, dass das doch das Gleiche sei... wenn er meint ...
Weil die Lüftung bereits so laut ist im mittleren Busbereich und S. oft recht nahe am Mikrofon ist und dann eben auch sehr laut durch den kaputten Lautsprecher plärrt, verziehe ich mich nach hinten. Allerdings stinkt es da ziemlich. Ich bleibe in der Mitte stehen. Ich bin an geschichtlichen Informationen wirklich interessiert, hatte jedoch zum ersten Mal keine Zeit, mich vorab über die Türkei richtig zu informieren. Er fragt mich irgendwann, warum ich so weit hinten sei und stehe und ich sage ihm, dass es mir weiter vorne zu laut sei. Und er redet über sich und über den Islam. Nein eigentlich will er über den Islam und auch über die Türken in Deutschland erst die nächsten Tage reden, aber soviel schon mal vorab, und er beginnt, die Leute aufzuhetzen, vorsichtig, aber immer intensiver und er tut es die nächsten Tage immer wieder, auszugsweise und inhaltlich so:
Mal ganz ehrlich, so unter uns: wir wollen die auch nicht. Wer hier arbeiten will braucht nicht ins Ausland. Die Türkei ist ein moderner Staat mit sehr guten sozialen Strukturen, nicht dieses komische Sozialnetz für die Schmarotzer. In der Türkei steht die Familie, und zwar nicht nur Eltern und Geschwister, nein es sind über hundert, oft mehrere hundert, die zusammenlegen, wenn es einer nötig hat. Das ist wirklich sozial. Da müsste Deutschland von den Türken lernen, Ihr könntet überhaupt noch viel von den Türken lernen, Ihr mit Eurer Arbeitslosigkeit.....
Nur die erste Generation der Türken in D., das waren noch gute Leute. Meine Eltern waren ja in Berlin und ich bin dort aufgewachsen. Was glauben Sie, was ich mitgemacht habe, als ich hierher zurück kam? Mich wollten die auch nicht. Aber ich habe mich durchgesetzt. Aber von mir erzähle ich ein anderes Mal. Aber was da gerade in Deutschland passiert, na ja, das ist eure Demokratie, ihr schützt ja Verbrecher. Die Türkei wollte die Auslieferung vom Kalif von Köln. Die Deutschen haben ihn geschützt. Nirgendwo im Koran steht das mit den Kopftüchern. Bei uns dürfen die keine Kopftücher tragen im öffentlichen Bereich und Sie werden auch ganz selten nur eine Frau mit Kopftuch sehen. Die mit Kopftuch, die könnt Ihr alle mit nach Deutschland nehmen, in Eure Demokratie... Deutschland müsste einiges von den Türken lernen. Schaut Euch mal in den christlichen Kirchen um, was da abgeht, da stehen ganz andere Sachen in der Bibel als in unserem Koran. Ich bin ja kein Türke, ich bin ja eigentlich Araber oder arabischer Türke, da ist das ganz anders als bei den Türken. Und so geht das ohne Punkt und Komma, mindestens eine halbe Stunde nur solchen subtilen Schwachsinn, und die Leute lassen sich einlullen. Er antwortet auf Fragen, die wir hinten nicht hören können über’s Mikrofon und manche staunen zufrieden, dass er ja doch auch bestätigt, was man sich selbst nicht so recht zu denken traut. Ich habe mich in die vorletzte Reihe verzogen, aber es riecht nicht so gut hier und ich bin froh, als er aufhört und wieder telefoniert oder schläft.
Kurz vor dem Hotel dann wieder: ... morgen, das wird ein schlimmer Tag. Nicht so schlimm wie der Donnerstag. Aber wir werden ganz lange fahren. Und in Pamukkale wird es heiß sein, furchtbar heiß. Und dann könnt ihr noch bei 45° in die Thermen. Wenn es draußen ohnehin schon heiß ist. Dieses Programm ist nicht schlecht, aber man könnte da schon einiges verbessern. Ja, aber ich will ja nichts gegen die Reiseveranstalter sagen... Ich versuche, für Euch das Beste draus zu machen. Am Donnerstag ist der schlimmste Tag. Ach ich hasse diesen Tag. Er wird ganz schlimm. Den ganzen Tag im Bus. – Gähnen – Aber denken wir nicht heute schon an den Donnerstag.
Wir waren ja heute auch schon fast 6 Stunden im Bus. Und dann fragt er wie am Montag, wann wir denn starten sollen, und einige sagen um 6.30 Uhr, 7.00 oder 8.00 und er sagt, seht Ihr, mit der Demokratie kommt man nicht weiter: wir fahren um 8.45 Uhr.
Am Abend ist der Folklore-Abend, an dem ich nicht teilnehme, obwohl ich bezahlt habe. Ich gehe mit den beiden Studentinnen nach Kemer, 20 Minuten zu Fuß , alle Restaurants haben geöffnet.
Mittwoch: Am nächsten Morgen laden wir alle das Gepäck ein, er kommt an mit verquollenen Augen und setzt sich nach kurzer gähnender Begrüßung hin zum Schlafen. Die anderen erzähle, dass der Abend komplett in russisch abgehalten worden sei. Kurz vor Antalya erklärt er uns, er brauche jetzt alle unsere Pässe, weil das Hotel Richmond in Pamukkale so überfüllt sei mit Menschen, damit es schneller gehe bei der Ankunft und weil man dort Angst habe vor Terroristen. Er müsse vorab die Daten faxen und das dürfe er netterweise aus der Schmuckfabrik, die wir jetzt gleich besuchen. Wer hat seinen Pass nicht bei sich, sondern im Koffer? Dann halten wir gleich mal an und Sie nehmen Ihren Pass aus dem Koffer. Erstens glaube ich den Schmarrn mit dem vorab Faxen nicht und dann frage ich, warum er uns das nicht bereits gestern gesagt habe. Meine Frage wird überhört, wie alles was ich sage oder frage. Zu dritt oder viert steigen wir mitten in der Botanik an der Landstraße aus, keiner der Männer sagt was, ich bin die einzige, die sich fürchterlich aufregt, die Klappen werden aufgemacht, wir müssen über die Leitplanke steigen und im Staub und Dreck den Koffer öffnen, um an den Pass zu kommen. S. ist mir schrecklich nett „behilflich“.
Nach 1 km sind wir an der Schmuckfabrik und müssen alle rein, „weil der Bus, wo anders parkt“. Nach einem Vortrag in dem großen Ausstellungsraum stürzen sich wie auf Kommando ca. 15 Verkäufer auf uns, kreisen uns ein und schnappen sich möglichst die Männer, damit sie den Frauen etwas kaufen. Ich schieße mit gleichem Tempo in die Gegenrichtung aus dem Pulk raus und denke, ich sei im Irrenhaus. So was habe ich noch nie erlebt. Ab sofort klebt auch an meinen Fersen ein Verkäufer. Ich sage ihm, dass ich keinen Schmuck kaufe, er verzieht sich in den Innenbereich des jeweiligen Ausstellungstresens, um den ich gerade rumlaufe, um einfach die Schmuckstücke zu betrachten. Irgendwann schafft er es, mir einen Tee anzubieten und ich soll mich einfach setzen. Im Separée. Nachdem er mir einige Tabletts mit Ringen vor die Nase gestellt hat, sage ich ihm auf’s Neue, dass ich keinen Ring kaufe und bisher auch keinen gesehen hätte, der mich begeistert. Er geht erneut und bringt nochmals zwei Lagen. Bei der zweiten liegen Rubine und ich zeige ihm den einen links unten, der mir ja doch zumindest gut gefällt. Er bestätigt meinen guten Geschmack, sagt mir dann dass er der teuerste auf dem Teller sei, Preis 2.770,00 Euro. Ich will ihn ja nicht kaufen. Aber wenn er mir doch einen guten Preis mache ... Nein. Er wird den Chef holen... Nein. Er geht auf 1.900,00 runter... Nein. Er holt den Chef. Der, so um die Vierzig, schaut mich an, lächelt, sagt: wissen Sie was, nehmen Sie diesen Ring mit und bezahlen sie ihn, wann Sie wollen... So viel Vertrauen habe ich zu Ihnen... Ich schaue ihn an, auch lächelnd und sage, „ja ich glaube das auch, Sie haben ja meine Passkopie“ und er sieht mich an und fragt nicht mal mehr, was ich damit meine, sondern wundert sich offensichtlich, dass nicht alle Deutschen gleich doof sind. Er geht mit dem Preis bis auf 1.300 Euro runter und bietet mir an, 50,00 Euro anzuzahlen und den Rest im September und das scheint die Schmerzgrenze zu sein. Als ich auch das nicht annehme, ist Ende. Aber sie sind wenigstens beide trotzdem höflich.
Auf dem weiteren Weg nach Pamukkale schläft S. netterweise ziemlich viel. Wir fahren durch die Landschaft, fast unkommentiert. Lediglich am Anfang zeigt er uns die Stadt mit dem höchsten Tomaten-Export. Wir sehen die Schilder von den Teppichfabriken. Aber wir gehen in keine rein. Dann greift er das Thema Türken in Deutschland auf, wie schlecht die doch seien, und das mit den Kopftüchern und dass man froh sei, dass die bei uns seien, und die brauchen auch nicht zurückkommen und er wird immer lauter, als er mit den vorderen vier Leuten im Bus übers Mikrofon diskutiert. Nur ganz wenige Ausnahmen seien solche kultivierten Menschen wie in der Türkei. Und irgendwann gehe ich nach vorne, weil mir nach einem Hörsturz wirklich die Ohren trotz meiner selbstgedrehten Ohrstöpsel weh tun und ich bitte ihn, wenigstens beim Diskutieren das Mikrofon weg zu nehmen, weil wir weiter hinten ja die Fragen ohnehin nicht verstehen können.
Dann fragt er über das Mikrofon, ob alle der Meinung seien, dass er nichts mehr über Land und Leute erzählen soll und es gebe halt immer einen in jeder Gruppe, der glaube, dass sich alle nach ihm zu richten hätten. Wer denn wolle, dass er weiter erzähle. Und da taten bis auf 4 oder fünf Leute alle ihre Hände hoch und klatschten. Und dann hat er zu mir gesagt, mit drohendem Finger: „Wenn Sie mich noch einmal unterbrechen, dann lasse ich Sie aussteigen!“ Und keiner hat mir geholfen. Und der Älteste, Herr Peschke, der alles auf Videofilm aufgezeichnet hat, ging nach vorne ans Mikrofon und erklärte sich zum Sprecher derer, die sich für Geschichte und Kultur interessierten. Er dankte für die umfassende Aufklärung und ich war entsetzt ob dieser Mehrheiten.
Dann erklärte S., dass das Hotel in P. ein drittklassiges sei. Auch nicht sauber und wir sollen ja aufpassen, falls wir da was zum Trinken einschleusen wollen, da werden sie sauer. Na ja, ein Wasser wäre ja nicht so schlimm, unter uns gesagt, aber halt nicht zeigen. Aber ja nichts anderes. Wehe, man erwischt uns dabei. Das Hotel sei lange nicht so schön wie das der vorangegangenen Tage und auch schlechter als das kommende in Alanya. Es werde geklaut und man müsse fürchterlich aufpassen. Bunt gemischt aus der ganzen Welt treiben sich da Leute rum und die Birnen schrauben die raus und die Handgriffe ab, brechen die Zimmer auf. Und gleich wenn wir reinkommen müssen wir alles überprüfen und wenn etwas fehlt, müssten wir das gleich melden. Und am Morgen wird er persönlich die Zimmer kontrollieren, ob auch nichts fehlt und die Liste dann an der Rezeption abgeben.
Und dann legt er wieder wie die Tage vorher den Abfahrtstermin fest mit seinem Hau auf die Demokratie, nämlich entgegen aller Vorschläge auf erst 9.00 Uhr. Zuvor erzählt er, dass wir ja Glück haben mit dem Ausschlafen, dass er im Winter immer viel früher mit den Leuten losfährt, für mich fraglich und völlig unlogisch, da ist es ja nicht heiß und wir wollten ja ohnehin so früh wie möglich.
Das Hotel Richmond ist überhaupt nicht schlecht, lediglich der Teppichboden ist sehr abgenutzt und nicht appetitlich. Das Essen ist wieder sehr gut und reichlich im Angebot. Ich gehe am Morgen an die Rezeption und bitte um meine Passkopie. Er kann keine finden. Es wundert mich nicht.
Donnerstag: Auf der Rückfahrt redet er sich so richtig warm. Er erzählt uns erneut, dass wir ja unseren Urlaub vom Staat mitfinanziert bekommen haben, und man von uns schon erwartet, dass wir Devisen hier lassen. Und dann erklärt er uns, dass wir erst mal in eine Teppichfabrik fahren und dass man uns die besondere Kunst des türkischen Teppichknotens zeige. Er hat uns ja vorher schon sehr genau und im Vertrauen erzählt, wo man was einkaufen kann, wie viel man runterhandeln kann usw. Und er sagt auch, dass der Staat als Gegenleistung für seine Investition jedes Reiseunternehmend zwingend veranlasst, die Teppichfabrik zu besuchen. Und es müssen alle rein. Und auch wir gehen rein. Auch hier nach einem Vortrag und der Besichtigung wieder das gleiche: Überfallartig stürzen sich die Verkäufer auf uns. Eine sympathische Frau wendet sich an uns und zeigt uns dann das Haus, und obwohl wir nichts kaufen werden wir von ihr nicht belästigt. Sie kommt aus Frankfurt, teilt die Meinung von S. über deutsche Türken in keiner Weise.
Und wir werden 3 Stunden dort verbringen, nur wissen wir es noch nicht. Irgendwann treffen wir in den Gängen auf unseren Reiseführer, der dort rauchend auf einem Stapel Teppichen sitzt. Als bei der Weiterfahrt sich andere darüber beschweren, dass wir so viel Zeit vertrödelt haben, sagt er, wenn jemand etwas kaufen will, dann wird so lange gewartet, bis der Kauf abgeschlossen ist. Die Frau ohne Geld konnte zum Kauf eines Teppichs bewegt werden. Das Geld wurde ihr wieder von dem Berliner ausgelegt.
Danach besuchen wir noch die Lederfabrik in Antalya und als danach angehalten wird, um am Bankomat neues Geld zu fassen, wird Ingrid, die 400,00 € haben möchte, von S. gefragt „haben Sie überhaupt so viel auf dem Konto?“ Auch dieses Ehepaar hatte sich inzwischen beschwert und ist in „Ungnade“ gefallen. Zuvor hatten sie eine Lederjacke gekauft und da ging die Karte nicht und sie mussten das Bargeld ausgeben.
Auf der weiteren Fahrt lässt er sich wieder aus über „unseren“ Reiseveranstalter. Immer mehr Leute waren unglücklich, dass wir so viel im Bus waren und dass dies zu einer derartigen Verkaufsfahrt geworden ist. „Wenn man schon mit Romantik-Reisen fährt, was will man da erwarten?“ Dabei hatte keiner direkt etwas mit „Romantik-Reisen zu tun. „Mit was für Veranstaltern fahrt Ihr denn?“ Und der Dümmste musste merken, wie er uns herabsetzen wollte. Er hat sich dann die Flyer geben lassen und hat daraus zitiert, um zu beweisen, dass es ja bereits dringestanden habe und wir nur zu blöd waren zum lesen: Und dann sagte er, ja wäre er nicht gewesen, dann hätten wir eh nicht diese tollen Hotels gehabt, sondern nur 4 Sterne-Hotels, wie es auf einem Flyer zu lesen war (allerdings waren da die Hotels per Foto drauf), aber er habe das tel. vom Flughafen geregelt!
Es war geplant, dass wir noch eine antike Brücke besichtigen, das muss jedoch entfallen, weil wir bereits so spät dran sind, dass wir evtl. kein Abendessen mehr bekommen können. Also wieder ein Tag im Süden ohne Zeit zum Baden und Sonnen oder für persönliche Interessen. S. fragt uns, wer an dem Programmpunkt am Samstag teilnehmen möchte, man müsse nach Aspendos allerdings fast bis nach Antalya fahren. Da waren nur noch 3 oder 4 , die das wollten. Wir waren nun tagelang im Schnitt 5 – 7 Stunden im Bus und jeder wollte auch mal etwas von Sonne und Meer haben.
Das Hotel Doganay ist überwiegend mit Russen besetzt. Wie im ersten Hotel. Es ist schrecklich laut, und sie sind schon morgens recht durstig. Mein Zimmer ist wieder im ersten Stock, und wieder leicht über den Balkon zu erreichen. Die beiden Studentinnen, von denen besonders eine von S. massiv angemacht wird, erhalten ein Zimmer im 6 Stock bei den „Multis“. Zufällig neben dem Zimmer von S.. Ich habe noch geduscht und komme erst um 20.00 Uhr. Essen gibt es nur bis 21.00 Uhr. Also bleibe ich ohne Nachspeise, weil die bereits abgetragen wurde.
Freitag: Alanya und Bootsfahrt auf dem Manvgat-Fluss sind angesagt und, wie S. sagt, der schönste Tag der Woche. Ich will nicht mehr im Bus sitzen, will nicht mehr mit diesen blindgläubigen Ja-Sagern einen Tag verbringen. Ich sage ab und fahre mit den beiden Studentinnen unabhängig nach Alanya. Zufällig hält der Hotelbus direkt vor dem zum Hotel gehörigen Lederladen. Trotzdem: der erste Tag ohne Hetzjagd und mit einem gemütlichen Bad im Meer.
Samstag: S. hat am Freitag ausrichten lassen, dass er nicht mehr da bleibe und Kathrin, ein Mädchen aus der Gruppe, uns am Samstag die Abflugstermine bzw. Busabfahrten mitteile. Also noch ein privater Tag. Ich fahre morgens nach Demirtas in ein Hundeasyl mit deutscher Leitung. Zurück kann ich mit einem Ehepaar fahren, das sich gut auskennt in der Gegend und mir erzählt, dass dem Besitzer des Doganay-Hotels halb Alanya gehört und er quasi als Pate gehandelt wird. Kurz darauf wird dies ohne mein Dazutun von einem Einheimischen am Strand bestätigt. Er fragt uns, seit wann wir hier seien. „Wir waren eine Woche unter staatlicher Führung“. „Aha, Rundreise und wo wohnt ihr?“ „Beim Mafiaboss“. „So, im Doganay?“ ... usw.
Sonntag: Vormittag nochmals zum Strand, 30 Minuten vor Busabfahrt fertig und mit Gepäck im Aufzug. Ich drücke Lobby, Aufzug fährt los, hält, Tür auf – ich sehe nur Betonwand, drücke erneut „L“, Aufzug fährt, hält an, Tür auf – Betonwand. Ich drücke „3“, Aufzug fährt, hält an, Tür öffnet, wieder Wand, so langsam wird mir schlecht vor Panik, zwinge mich, ruhig zu bleiben. Ich drücke „1“, Aufzug fährt, hält an, Türe bleibt zu, er fährt weiter und hält wieder und dann öffnet sich die Tür und ich bin wieder im Freien, aber im 1. Stock. Ich bin kurz vor dem Wahn und gehe mit schwerem Gepäck über die Treppen zur Rezeption, erzähle das vom Aufzug, sie bietet mir einen Tee an.
Dann habe ich noch 5,50 € zu zahlen, die ich aber nicht klein habe. Sie ist stinksauer, meine Karte gehe nicht und den Hunderter könne sie nicht wechseln. Mehrmals hatte ich die beiden Tage zuvor vergebens versucht, ihn zu wechseln. Dann endlich kommt sie, knallt mir 94,00 Euro auf den Tresen und bedeutet mir mit eindeutiger Handbewegung, zu verschwinden.
Es war mein erster Türkeiurlaub und alles in allem keine Veranlassung zu einem weiteren.
Briefe als PDF
http://tuerkei.solic.de/gaesteberichte/maria1.pdf
http://tuerkei.solic.de/gaesteberichte/maria2.pdf
http://tuerkei.solic.de/gaesteberichte/maria3.pdf
Bemerkung: aus Angst vor Repressalien wollten weitere Teilnehmer der Rundfahrt, die auf unterschiedlichste Art zu dieser Reise kamen, nicht genannt werden. Trotzdem könnten u.U. einige zu weiteren Ausführungen bereit sein
Freundliche Grüße
Maria F.
Maria F.
MariaF
Show profile
Link to this post